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Update! Troll Skimarathon Norge

Update! Schneeverlängerung Norwegen

Es war Hammer, megageil und einfach Super!
… Nach dem Winter - ist vor dem Winter.


Nach dem es Anfang April auf der Winkelmoosalm, nahe Reit im Winkel, wider Erwarteten noch optimale Trainingsbedingungen gab, nutzte ich diese, um weitere Schneekilometer zu absolvieren.

Nach einem kurzen Besuch im Skiwerk Atomic und ausgestattet mit neuen Skiern, machte ich mich auf den Weg und flog nach Norwegen. In Olso angekommen fuhr ich mit dem Zug nach Sjusjøen.
Als ich bei meiner Ankunft in Sjusjøen gefragte wurde, ob ich bei einem Rennen mitmachen wolle, stimmte ich sofort zu.
Man erklärte mir, dass es zwei Varianten des Rennens geben würde.
Variante 1 sei ein Rennen über eine Distanz von 45KM.

Kurzerhand und ohne weiteres nachfragen entschied ich mich für die 2. Variante.
Was ich nicht wusste… Variante 2 war nicht irgendein Lauf, sondern der Troll Skimarathon, der über eine Länge von 95KM von Venabygdsfjellet nach Sjusjøen führte.
Der Troll Skimarathon - Mein erstes 95KM Rennen.
Ich bin angemeldet und laufe mit!

Mein letztes Rennen, die Deutsche Meisterschaft in Bodenmais, über eine Länge von 50 KM war schon eine Herausforderung. Aber 95 KM – das nenne ich mal eine Kampfansage.

Das Rennen wurde in der klassischen Technik ausgetragen. Hochmotiviert versuchte ich am Anfang mit der Spitzengruppe mitzuhalten. Es bildete sich schnell eine Ausreisergruppe von ungefähr 10-12 Personen, zu der auch ich gehörte.

Während des Rennens musste ich feststellen, dass die Teams, die sich speziell auf Langdistanzen spezialisiert hatten, nicht mit Klassik Wax, sondern mit Skating Skiern oder gar Klassik Skiern ohne Steigwax unterwegs waren, da sie nur mit Doppelstock über die Fjelle (Berge oder Hochflächen oberhalb der Nadelwaldgrenze)   gelaufen sind.

Verschiede Teams, die beim Troll Ski Marathon am Start waren, bestimmten von Anfang an das Tempo. Nach ca. 1 Stunde passierten wir die 25KM Marke und mir wurde klar, dass das angeschlagene Tempo nicht über 95KM durchhaltbar war. Das Ausreiserfeld zog sich auseinander. Trotzdem reihte ich mich auf Position 7 mit einem Norweger ein.

Bei KM 45, nach also noch nicht einmal der Hälfte der Strecke, musste ich feststellen, dass mein norwegischer Partner kaum noch mit mir mithalten konnte und völlig entkräftet aussah.

Kurz entschlossen packte ich aus meinem Rucksack einen Riegel aus, reichte ihm den Powersnack und machte mich von dort an alleine auf den Weg.
Mit guter Geschwindigkeit zog ich an den Kilometermarken vorbei. Bei KM 65, mitten in einer Abfahrt, spürte ich einen harten Stich in der Bauchgegend. Ich kauerte mich zusammen und fiel einfach und ohne jegliche Gegenwehr, aus voller Fahrt, nach rechts in den Schnee, um.

Da lag ich völlig irritiert, versuchte mich wieder aufzurichten und fragte mich: „Was zur Hölle war das???“  Okay, dass man mal einen Wadenkrapf bekommt - okay. Aber, dass die Bauchmuskeln anfangen zu krampfen, das habe ich in meiner ganzen Laufbahn noch nie erlebt.
Folglich waren die letzen 30 Kilometer wirklich hart. In 10 KM Abständen standen die Schilder und zeigten den teilnehmenden Wettkämpfern an, wie viele KM sie noch vom Ziel trennten.

Endlich war die 20 KM Marke erreicht und das nahende Ziel war damit „nur“ noch ca. 1:30h weit entfernt. Aber nur noch 20 KM zum Ziel bedeuteten auch, dass ich bereits schon 75KM erfolgreich hinter mich gebracht hatte.

Als die 10KM Marke erreicht war wurde mir erneut bewusst, bei welchem sensationellen Rennen ich gerade teilnahm. Jetzt wurde jeder einzelne Kilometer heruntergezählt und ich war wahnsinnig froh als ich das Ziel erreicht habe. Da merkte ich erst richtig, dass ich am ganzen Körper zitterte und völlig ausgekühlt war.

Umso froher war ich, dass ich aus meinem Rucksack, den ich die ganze Zeit dabei hatte, frische Klamotten herausziehen konnte. Nach 95KM und einer gelaufen Zeit von 4:43h eine echte Wohltat. Ein weiterer Blick auf die Polaruhr zeigte mir an, dass ich fast 6000 Kilokalorien verbraucht hatte. So konnte ich locker mehrere Stücke Kuchen, die es im Zielbereich gab, hintereinander essen. Nach dieser kurzen Stärkung war die Siegerehrung für den Troll Skimarathon 2015.
In der Gesamtwertung erreichte ich einen überraschenden sehr guten 4.Platz was folglich bedeutete, dass ich die letzten 30 Kilometer wohl noch einige Plätze gut gemacht haben musste. Die Altersklasse 25-30jährigen konnte ich sogar gewinnen!

Das Fazit meines ersten Troll Skimarathons:

95KM sind selbstquälerisch und trotzdem wahnsinnig schön!
Bei Variante 2 hat man doppelt so viel Freude!

Und gerne komme ich wieder!