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Skarverennet

Am Freitag fuhr ich weiter zum legendären Skarverennt, das jedes Jahr in Geilo stattfindet. Das Rennen hat einen speziellen Modus. Von den ca. 12000 Läufern starten rund 1000 in der Eliteklasse. Der Start für die Eliteklasse Herren ist um 11:45 und der Damen um 11:30. Alle anderen Teilnehmer können selbst entscheiden, wann sie ihren persönlichen Start tätigen. Ab 6 Uhr in der Früh ist die Strecke geöffnet und die meisten Läufer wählen ihren persönlichen Start so, dass sie die Besten entweder im Ziel oder unterwegs anfeuern können.
Eine weitere Besonderheit und Bedingung des Rennens ist, dass man einen Rucksack mit mindestens einem Kleidungsstück tragen muss.

So ging es für mich morgens, wie für alle anderen Teilnehmer, mit dem Zug zum Startpunkt nach Finse.  Denn von dort führt die 37KM lange Strecke nach Ustaoset zurück. Nicht nur der Ausblick auf die die Landschaft und Natur waren gigantisch, sondern auch die Stimmung und die spürbare Vorfreunde auf das Event, im völlig ausgelasteten Zug, machten die 50minütige Fahrt zum ersten Highlight.
Da ich die Anmeldung für das Rennen erst Freitagabend getätigt habe, bekam ich eine relativ hohe Startnummer zugewiesen. Als ich das Starterfeld der Elite so betrachtet, kam es mir vor, ich sei bei einem Weltcuprennen. Unzählige Topläufer aus verschieden Nationen waren am Start. Ich suchte mit meiner hohen Startnummer einen möglichst guten Startplatz.

Als ich Petter Northug mit seinem maßangefertigten und mit Abstand kleinsten Rucksack, den ich je gesehen habe, an der Startline sah, musste ich schon ein wenig schmunzeln.
Ich hatte auf alle Fälle von der Eliteklasse einen der größten Rucksäcke auf und so wurde ich gleich von einigen Topläufern auf meinen großen Rucksack angesprochen.
Ich erklärte, ich hätte meine Brotzeit dabei und dass der Adidas Rucksack einige Tage zu vor, bereits beim 95KM Troll Ski Marathon, einen Top Dienst erwiesen hatte.

Der Startschuss fiel.

Ein Skido mit Kamera fuhr los. Ein Helikopter überflog das Starterfeld. Das Langlaufrennen in Norwegen ist gleichzusetzen, wie ein Fußballländerspiel in Deutschland mit der deutschen Nationalmannschaft.

Kurz nach dem Start ging es zunächst einmal steil Berg an. Sofort versuchte ich einige Positionen gut zu machen um möglichst den Zug nach vorne aufnehmen zu können.
Ich reihte mich hinter Finn Haagen Krogh ein. Das Anfangstempo war extrem schnell. An der Spitze lief Northug, Sundby und Livers.

Als ich mich den ersten harten Berg hochgequält habe, suchte ich nach Orientierung wie lange das Rennen noch ist. Auf der rechten Seite stand ein Schild noch 34KM….Puuhh somit waren erst 3KM des Rennens vorbei und ich war jetzt schon völlig müde und kaputt. Ich musste eine Gruppe von ca. 10 Läufern ziehen lassen. Aber ich reihte mich erneut hinter Finn Haagen Krogh ein.

Nach einer kurzen Abfahrt merkte ich wie viel Läufer und Zuschauer, hier beim Skarvetrennen unterwegs waren. Ständig wurde man vom Loipenrand angefeuert.  Wir überholten viele Läufer und ich zog diese wahnsinnige Atmosphäre mehr und mehr auf. 

Am zweiten harten Berg stand plötzlich ein Läufer. Von der ferne vermutet ich schon, dass es sich um einen Topläufer handeln musste, denn es bildet sich eine Traube an Zuschauern um ihn.
Als ich näher kam sah ich es -  Petter Northug konnte nicht mehr. Als ich vorbei lief klemmte er sich hinter mich. In Typischer Northug-Haltung sprintet er plötzlich an mir vorbei um oben am Berg  er ebenso plötzlich wieder stehen zu bleiben.
Er reihte sich hinter mir ein. Auf diese bekannten Spielchen wollte ich nicht viel geben und lief mein eigenes Tempo weiter und ich merkte nach mehreren Kilometern, dass er plötzlich wieder stehen blieb. Diesmal kam er aber nicht mehr an mich heran.
Weiter vorne sah ich einen weiteren Läufer und ich versuchte näher zu kommen. Trotz der Anstrengung nahm ich die beeindruckende Landschaft und die zunehmende Masse an Langläufern war.
Den Läufer vor mir ein holte ich recht schnell ein.  Es war Dario Cologna. Ich versuchte das Tempo hochzuhalten, denn ich fühlte mich immer besser. Jedoch war kein weiter Läufer vor mir zu sehen.
Als nahm ich das Tempo wieder etwas heraus und genoss diese einzigartige Atmosphäre.

Gemeinsam mit Dario Cologna durfte ich dann den letzen Anstieg hoch laufen. Mehrere tausend Zuschauer und Langläufer bildeten eine Gasse. Hinter den Massen kam mir der Geruch von Grillgut entgegen.  Ein Volksfest dachte ich mir! Wahnsinn. Mit Kopfschütteln und einem fetten Smile machte ich mich durch den immer enger werdenden Durchgang. Diese Langlaufbegeisterung dieser Norweger - ein wahrer Genuss! Emotional und Leidenschaftlich!

Die letzten 4 Kilometer verliefen hauptsächlich Berg ab. Mit top Skiern unter den Füßen ging es mit hohem Tempo Richtung Ziel. Nach einer Kurve war auf einmal ein Bogen zu sehen, in diesem Moment fuhr auch schon Dario Cologna an mir vorbei und er eröffnete der Zielspurt, welchen ich nicht kontern konnte.

Mit Platz 8 beendet ich mein erstes Skarverrennen und unter den Top 10. Einige der Topathleten schauten nicht schlecht, als ich im Ziel meinen großen Rucksack abnahm und meine frischen Klamotten anzog. ;-)

Aber für das nächste Jahr weiß ich schließlich, dass auch ein kleiner Rucksack ausreicht und freue mich schon jetzt auf diese einzigartige Kulisse!!!